Thailand oder Vietnam

Für viele Backpacking Einsteiger stellt sich die Frage, Thailand oder Vietnam, wir haben bereits beide Länder bereist und möchten euch hier eine kleine Entscheidungshilfe anbieten. Thailand wird nachgesagt, ideale Voraussetzungen für Anfänger im Rucksackreisen zu bieten. Vorweg kann man sagen, das stimmt. Doch sind andere asiatische Länder wie Laos, Kombodscha oder Vietnam weniger geeignet?

Zuerst einmal möchten wir sagen, alle Länder sind auf ihre Art und Weise traumhaft schön und definitiv eine Reise wert. Doch wohin soll es nun zuerst mit dem Rucksack gehen? Wir vergleichen für euch die beiden Länder Thailand und Vietnam, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und aus einer möglichst objektiven Sicht, die aber unweigerlich mit subjektiven Einflüssen behaftet ist.

 

Die harten Fakten:

Thailand: tropisches Klima, Lage: 5°65’N - 20°40’N, ca. 67,2 mio. Einwohner, Währung THB (Thailändische Baht), Hauptstadt Bangkok, Größte Städte (2015): Bangkok, ca, 5,7 mio. EW, weiterhin 11 Städte zwischen 100.000 und 270.000 Einwohnern.

Vietnam: subtropisches! bis tropisches Klima, Lage: 8°60’N - 23°40’N, ca. 90 mio. Einwohner, Währung VND (Vietnamesische Dong), Hauptstadt Hanoi, Größte Städte (2009): Ho-Chi-Minh-City: ca. 7,1 mio. EW, Hanoi: ca. 6,4 mio. EW, 4 weitere Städte von 800 tsd. bis 2 mio. EW., weiterhin 46 Städte zwischen 100.000 und 360.000 Einwohnern.

 

Die Anreise:

Flüge ab Deutschland gibt es in beide Länder, nach Thailand meist leider nur mit Umstieg in den VAE, nach Hanoi gibt es auch günstige Direktflüge, die Preise variieren, nach Vietnam zu fliegen ist aber in etwa 30 % teurer, was viele erst einmal abschreckt. Die Flugzeit ist in etwa vergleichbar, der Aufenthalt kann sich in Abu Dhabi oder Dubai aber etwas ziehen. Per Direktflug erreicht man in Vietnam (Stand Sommer 2014) nur Hanoi, da in Vietnam die Rundreise meist von Nord nach Süd oder umgekehrt abläuft, ist das kein Problem, Gabelflüge kann man bereits von zu Hause aus buchen und Ho-Chi-Minh-Stadt als Abflughafen für die Rückreise wählen. In Thailand ist das etwas anders, da Bangkok sehr Zentral liegt, reist man von Bangkok aus sternförmig in alle Richtungen, was eher etwas chaotisch ist. Wer in Vietnam mit dem Zug reist, kann eigentlich gar nicht verpassen, in Thailand reist man kreuz und quer durch das Land. Womit wir auch unseren nächsten Vergleichspunkt ansprechen können:

 

 

Die Infrastruktur, umherreisen im Land:

In Thailand gibt es nichts einfacheres, als von einem Ort in den nächsten zu reisen, an jeder Ecke der abgelegensten Orte finden sich kleine Reisebüros und Agenturen, die wirklich jeden Trip oder Ausflug möglich machen können. Ob mit dem Zug, Bus, Minibus, Taxi, Schiff, Boot oder Flugzeug jeder erdenklichen Airline, alles ist möglich, meist auch sehr kurzfristig, doch dann kann es schon einmal etwas teurer werden.

Die Strecken, die man in Thailand und Vietnam mit dem Flugzeug zurücklegen kann, legten wir mit dem Flugzeug zurück. Diese Flüge sind oft unwahrscheinlich günstig und haben in Vietnam sogar die Kosten für den Reunion Express unterboten. Ausflüge kann man in Thailand, sowie auch in Vietnam an Hotelrezeptionen und Reisebüros buchen, die Organisation in Thailand ist jedoch einzigartig, mit diversen bunten Stickern am T-Shirt wird man wie ein Päckchen durch das Land transportiert, den Sinn der diversen Zwischenstopps und Fahrzeugwechsel versteht man dabei nicht immer, doch man kommt an. Schwarze Schafe gibt es überall auf der Welt, somit auch in diesen beiden Ländern, von überzogenen Preisen oder Angeboten für die teuersten Flüge hin zu bezahltem, aber nicht gebuchten Gepäck für den Flug, über angepriesene Luxusbusse mit AirCon und Liegesitzen, die sich als uralter Linienbus entpuppen, kann alles passieren, was man nicht für möglich gehalten hat. Taxis, Tuk Tuks Motorrad Taxis oder Rikschas können völlig überteuert sein, der Betrag, der ihr dann verliert, ist aber überschaubar. Mit etwas Galgenhumor und einer entspannten Einstellung, lässt sich auch so etwas verkraften. Unangenehmer kann es dann werden, wenn ihr zu wenig für eine Fahrt bezahlt. Meist passiert das, wenn ihr etwas suchend oder mit ratlosem Blick am Straßenrand steht, werdet ihr dann angesprochen, nehmt Abstand von dieser, meist sehr günstigen Fahrt. Ihr landet irgendwo, wo ihr wirklich viel Geld für Dinge verlieren könnt, die ihr gar nicht, oder zumindest in diesem Maße gar nicht haben wolltet. Schmerzlich wird es dann, wenn man viel Geld durch Scams oder Betrug verliert oder Kreditkartendaten kopiert werden. Einige Ratschläge nun zum Thema Geld:

 

Geld/Kreditkarten:

Geld zu Hause zu besorgen ist eigentlich unnötig, bzw. unmöglich, nach der Landung kommt man an unzähligen Geldautomaten und Wechselstuben vorbei. Wechselt den Betrag, den ihr für richtig haltet, ich habe gerne 50 Eur in der Tasche, um problemlos an mein Ziel zu kommen und in der Ankunftshalle vielleicht auch schon einmal eine Kleinigkeit zu essen, oder mit einem Bier auf die Ankunft anzustoßen. Die Gebühren sind am Flughafen oft höher als in der Stadt. In Thailand gibt es viele verschieden Banken, die ihre ATM’s meist fest in irgendwelchen Gebäuden verbaut haben. Der maximal abhebbare Betrag liegt meist bei 10.000 THB, etwa 260 EUR, bei manchen Anbietern erhält man auch 15.000 THB oder 20.000 THB. Mehrmaliges abheben ist möglich, kostet jedoch mit der falschen Kreditkarte jedesmal eine Gebühr. An vielen Automaten funktioniert auch die EC/Maestro Karte europäischer Banken, diese muss jedoch erst für die Nutzung außerhalb Europas freigeschaltet werden. Doch einheitlich ist das System dort nicht, Geld gab es mit dieser Karte nicht immer, auch wenn der Automat der selbe war. Vpay Karten funktionierten dort an keinem von uns genutzten Automaten. In Vietnam funktioniert dagegen keine dieser Kontokarten, wer dort Geld an den wirklich zahlreich vorhandenen Automaten abheben möchte, der ist auf eine Kreditkarte angewiesen. Die Automaten sind dort meist in „Telefonzellen“ untergebracht, oft mehr als 2 nebeneinander. So kann man sicher sein, dass man mindestens an einem Automaten Geld bekommt, denn es kommt immer wieder einmal vor, dass einer dieser Automaten außer Betrieb ist. Das größte Problem ist, dass das Limit an fast allen Automaten bei 2.000.000 VND liegt, was in etwa 80 EUR entspricht. Gelegentlich liegt das Limit auch bei 5.000.000 VND, doch diese Automaten zu finden ist nicht einfach. Möchte man dort Ausflüge oder Unterkünfte mit Bargeld bezahlen, so fallen durch die vielen Transaktionen hohe Gebühren an. Für Vietnam empfehlen wir daher unbedingt die Kreditkarte der DKB. Unangenehm wird es, wenn man die eigentlich sinnvollen Limits der Kreditkarte nicht anpasst, das Monatslimit ist vielen bekannt, jedoch gibt es auch Tageslimits und Wochenlimits, dieses freischalten zu lassen, kann aufgrund der Zeitverschiebung mehrere Tage Dauern. Daher empfehlen wir unbedingt eine Notreserve in EUR in der Tasche zu haben. Wir haben immer 2 Karten im Gepäck, eine Kreditkarte der Hausbank, um damit zu bezahlen und die Karte der DKB, um damit Geld abzuheben.   

 

Das Wetter:

Völlig abhängig von der Reisezeit, für einen Strandurlaub eignet sich der Norden Vietnams im Winter jedoch nur bedingt, bzw. gar nicht. Die ideale Reisezeit lässt sich für den jeweiligen Ort jedoch im Internet schnell herausfinden. Im Süden Vietnams herrscht jedoch, sowie in Thailand (bis auf die Bergregionen) auch, tropisches Klima, das keine Jahreszeiten, sondern nur Regenzeit und Trockenzeit kennt. In beiden kann bzw. wird es Regnen, aber auch trocken sein. 

 

Die Kosten:

Die Kosten sind in Vietnam in vielen Belangen geringer, Essen, Getränke, Zigaretten, Inlandsflüge und auch die Ausflüge. Motorroller kann man ebenso günstiger mieten. Die Unterkünfte sind in Vietnam ebenfalls etwas günstiger, wobei man das nicht generell sagen kann, denn unsere Strandbungalows in Thailand waren etwas günstiger, als der auf Phu Quoc. Doch die zum Abschluss der Reise in Saigon gebuchte Executive Suite im Pullman Saigon kostete uns 160 EUR, in Bangkok wäre vergleichbares wesentlich teurer gewesen. Standard Hostels sind in Vietnam aber günstiger, der höhere Preis für die Strandbungalows rührt einfach daher, dass es die aus Thailand bekannten, einfachen Hütten in Vietnam seltener gibt. Dort versucht man, eher gehobeneres Klientel anzulocken, was die vielen neuen Luxusresorts und gehobenen Strandbungalows erklärt. Doch intensive Suche lässt auch die einfachen Hütten zum Vorschein kommen.

 

Die Städte:

In beiden Ländern haben die großen und kleinen Städte ihren Charm, oder auch nicht. Hanoi, Saigon, Bangkok, Udon Thani, Can Tho, Hoi An, Da Nang, Surat Thani… Macht euch selbst ein Bild, oder lasst euch von uns eine Reiseroute empfehlen. Städte wie Bangkok, Hanoi, Saigon, Hoi An und viele mehr sollte man gesehen und erlebt haben, andere Städte wie Surat Thani oder Da Nang sollten für einen gelungenen Backpacker Trip nur Durchreiseadressen sein. Doch auch für solche Industriestädte gibt es sicherlich Liebhaber, für manchen Reisenden lohnt sich auch dort ein längerer Aufenthalt. Vietnam hat auf jeden Fall die größere Anzahl an wirklich großen Metropolen, deren Namen man bei uns nicht einmal kennt.

 

Die Strände:

Thailand hat unserer Meinung nach die schöneren Strände, was einfach daran liegt, dass die meisten Strände bewirtschaftet werden und Bungalowanlagen angeschlossen sind. Dort, wo dies in Vietnam ebenfalls der Fall ist und Barbesitzer dafür sorgen, dass der angespülte Müll, Treibgut und Palmblätter weggeräumt werden, kann man ebenfalls an wunderschönen Stränden entspannen. An den lange gesuchten, einsamen Stränden muss man leider damit leben, dass teilweise viel Müll aus dem Meer am Strand herumliegt.

 

Der Verkehr:

Der Verkehr ist in beiden Ländern für unsere Verhältnisse sehr chaotisch, man traut sich anfangs nur zögerlich, eine Straße zu überqueren. Doch obwohl Vietnam wesentlich gefährlicher und chaotischer ist, so ist man dort als Fußgänger beim Überqueren eine Straße sicherer. Man läuft los, stoppt nicht, wird nicht schneller, dann werden die Autos und Motorräder um dich herumfahren. Ob Busse und LKW ebenso rücksichtsvoll sind, haben wir nicht ausprobiert, da es dann vermutlich die letzte Reise gewesen wäre. Der Zustand dieser Fahrzeuge ist sehr schlecht, viele davon sind von den Amerikanern nach dem Vietnamkrieg zurückgelassen worden. In Vietnam gibt es eine Rangordnung, LKW ganz oben, Fußgänger ganz unten. Diese gilt auch beim Überholen, selbst im Gegenverkehr wird ein LKW bei entgegenkommenden PKW nicht bremsen oder einscheren, der Kleinere macht Platz. Die vielen Wracks am Straßenrand zwischen Hanoi und Hai Phong haben uns gezeigt, dass das aber auch oft schief geht. Vor dem Bremsen wird gehupt,  oft ist es dann aber auch einfach zu spät zum Bremsen. Unsere Entscheidung uns wegen der größeren Beinfreiheit hinter den Busfahrer zu setzen, haben wir schnell bereit, man konnte dem Tod im Minutentakt ins Auge blicken, die sehr laute Hupe ließ außerdem nicht zu, die Augen länger als 5 Minuten zu schließen. Der Zustand der Straßen ist ebenfalls nicht ideal, 2-spurig ausgebaute Straßen sind sehr selten.

In Thailand ist die Sache schon etwas entspannter, seit der Machtübernahme durch das Militär sogar teilweise wirklich gesittet und entspannt, so dass wir dort ohne Angstschweiß im Gesicht mit Bussen, Tuk Tuk’s, Taxis und Privatleuten mitgefahren sind.

Selber fahren kann ich in beiden Ländern all jenen empfehlen, die auch zu Hause sicher Auto oder Motorrad fahren. Wer jedoch auch zu Hause vor jedem Überholmanöver sekundenlang den Verkehr herum checken muss, für den ist es zu gefährlich, ein Fahrzeug in Asien zu führen, dann man muss dort ständig wissen, was vor, neben und hinter dir passiert, so dass man im Sekundenbruchteil nach links oder rechts ausweichen kann. Die Fahrweise dort unterscheidet sich sehr von unserer, doch wenn man sich die Zeit nimmt, den Verkehr an großen Kreuzungen, kleinen Straßen und auf Märkten beobachtet, so lernt man recht schnell, wie man sich z.B. beim Abbiegen verhalten sollte. In Vietnam biegt man nicht im 90° Winkel ab, sondern man beginnt frühzeitig den Gegenverkehr in einer graden Linie zu kreuzen. Diese und viele andere Verhaltensweisen sollte man vor Ort studieren, bevor man selber fährt. In Vietnam kommt hinzu, dass man als Europäer keine Erlaubnis zum selber fahren hat, doch die vielen Polizisten, die wir dort sahen, machten niemals Anstalten, uns anzuhalten. Beim mieten eines Mietwagens sollte man unbedingt darauf achten, dass es keine Selbstbeteiligung bei Diebstahl oder Unfallschäden gibt, außerdem sollte man unbedingt die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung beachten, diese kann teilweise unter 10.000 EUR liegen, was im Falle eines größeren Unfalls erhebliche Probleme verursachen wird.

 

Die Kultur:

Die Kultur der beiden Länder ist völlig unterschiedlich, Thailand ist durch Jahrhunderte alten Buddhismus geprägt, durch eine traditionelle Monarchie, die sich aus mehreren Königreichen zusammenschloss, behielt seine ursprünglichen Traditionen dadurch, dass es in der Zeit des Kolonialismus seine Unabhängigkeit bewahrte und stieg durch den eigens erarbeiteten Wirtschaftsboom zu den führenden südostasiatischen Ländern auf. Dabei wurde Thailand immer wieder Demokratisch regiert, jedoch auch immer wieder durch Militärdiktaturen abgelöst.

Die uralte Geschichte Vietnams wurde stark durch die verschiedensten chinesischen Dynastien geprägt, wurde dank der Unterstützung der französischen Kolonialmacht zum Kaiserreich, später durch Japan als Besatzer geprägt und im laufe der Zeit in den Kommunistischen Norden und den unter dem Einfluss französischer und amerikanischer Mächte stehenden Süden geteilt. Vom Krieg zerrüttet vereinte sich Vietnam später zur Sozialistischen Republik Vietnam. Diese sozialistische Prägung verspürt man ganz besonders im Norden Vietnams, Lautsprecherdurchsagen am Morgen und Abend, sozialistische Propaganda und eine große Lücke zwischen Arm, einem gut situierten Mittelstand und oder kleinen, aber sehr reichen Oberschicht erkennt man besonders im Norden. Diese vielen Einflüsse erkennt man nicht nur in der Art der Menschen, sondern auch in der Bauweise alter Häuser, an der Art der Geschäfte und ganz besonders am vietnamesichen Essen. Französische und amerikanische Einflüsse bei der Zubereitung typischer asiatischer Gerichte sind schon eine Reise Wert, auch wenn das thailändische Essen abwechslungsreicher ist.

 

Die Menschen und ihre Mentalität:

Beide Völker können unglaublich nett, liebenswert und höflich sein, dazu hilfsbereit und freundlich. Doch auch Thais und Vietnamesen haben Eigenschaften, die einem Europäer seltsam erscheinen und negativ wahrgenommen werden. Das Lächeln der Thais kann sehr viele Bedeutungen haben, für einen Europäer schwer zu interpretieren und daher oft missverstanden. Hinzu kommt, dass Thais wirklich geschäftstüchtig sind, was von uns oft als aufdringlich und teilweise unangenehm aufgefasst wird. Über den oft beschrieben Hass den Langnasen gegenüber kann und möchte ich mich nicht äußern, da ich das bisher nicht so wahrgenommen habe, jedoch wäre auch so ein Verhalten nachvollziehbar, wenn man sich die vielen, teilweise sehr ignoranten Touristen ansieht. Vietnamesen stehen dem Interesse am Geld der Touristen in nichts nach. (So wie es in jedem Land dieser Erde wohl ist). Doch hatten wir oft das Gefühl, dass grade die Männer nicht gerne eine Gegenleistung erbringen. Man gerät häufig in Situationen, in denen ein Touristenzuschlag erhoben werden soll, man muss schon sehr gelassen sein, um all das mit Humor oder Gleichgültigkeit hinzunehmen. Nach einer Weile fühlt man sich nicht mehr willkommen, als Goldesel aller. Selbst Straßenverkäuferinnen fordern nach der Bestellung eines einzelnen frittierten Bällchens den Preis für 10 Stück ein, weil sie die Tüte randvoll packte. Taxifahrer passieren auf dem Weg zum nächsten Geldautomaten 2 oder 3 Stück, bis sie endlich unter lautem Protest anhalten. Die thailändische Ruhe kennt man dort nicht, man hat auch kein Gesicht zu verlieren, wenn ein Vietnamese laut werden möchte, dann wird er laut, aber dann sollte man sich wieder einmal vor Augen halten, dass ein vietnamesischer Taxifahrer nicht nur 8 Stunden arbeitet, sondern vermutlich 16 Stunden, die anderen Stunden des Tages verbringt er dann häufig auf der Rückbank des Taxis, da sein Heimweg in das 50 km entfernte Dorf zu weit ist. Ob Thai oder Vietnamese, in beider Augen sind Menschen aus anderen Teilen der Welt unvorstellbar reich, aber auch unvorstellbar geizig. Daher sollte man sich häufiger überlegen, ob man wirklich bis zu dem Preis feilschen muss, an dem es sich kaum noch lohnt, morgens aufzustehen, Vielleicht sollte man sich auch ein paar Worte auf Thai oder Vietnamesisch aneignen oder zeigen, dass man respektvoll ist, indem man den Wai zum Dank benutzt. Dann wären vielleicht auch unsere einheimischen Gastgeber gar nicht mehr so eigen, wie wir sie oft wahrnehmen.

 

Das Essen:

Wie bereits kurz angesprochen sind beide Küchen sehr gut, abwechslungsreich und typisch asiatisch, auch wenn die Vietnamesen Einflüsse aus Europa und den USA in ihrer Küche vereinen. Das typische Thaifood ist außerdem abwechslungsreicher, die Garküchen zahlreicher vertreten. Auf den vielen Nacht- und Foodmärkten kann man unwahrscheinlich viele verschiedene Gerichte und Spezialitäten probieren. Von der eigenwilligen Art der Lagerung sollte man sich nicht unbedingt abschrecken lassen, wenn ein Thai dort isst, schafft ihr das auch. Lediglich die Schärfe schafft es schon einmal, Magenverstimmungen zu verursachen. Das einzige Mal, dass uns Essen über Tage in das Bad verbannte, wurde wahrscheinlich von Kartoffelpüree verursacht. Tage später hatte dieses Restaurant auf Koh Phi Phi jedoch schon geschlossen.

Das vietnamesische Essen hat uns zuerst enttäuscht, häufig gab es nur Nudeln oder Reis mit Schwein, Rind, Hühnchen oder Meeresfrüchten, gelegentlich ein paar versteckte Garküchen. Doch nach und nach entdeckten wir auch die schönen Seiten der vietnamesischen Küche, die frischen und frittierten Frühlingsrollen, die vielen Suppen und die Seafood BBQ’s am Strand. Auf Phu Quoc, für die Fischerei bekannt, gibt es jeden Abend einen großen Markt mit lebendem Meeresgetier aller Art, frisch aus dem Aquarium auf den Teller, ein Traum für Fischliebhaber. Außerdem gibt es im Süden sehr viel Europäisches, mit asiatischer Note, interessant und lecker.  

 

Backpacking ohne Plan / Suche der Unterkunft:

In Thailand definitiv einfacher und problemlos möglich, wenn man Erfahrung hat und sich nicht scheut, der alten Dame, die dir das Zimmer gezeigt hat, irgendwie mitzuteilen, dass du weiterziehen möchtest. Die zahlreichen Preisnachlässe machen es nicht einfacher, weiterzuziehen und etwas schöneres zu suchen. Viele Leute brechen an diesem Punkt ein und wohnen dann halt 2 Tage in einer sehr billigen, aber auch leider nicht sehr schönen, etwas seltsam riechenden Absteige, ein oder zwei Tage später zieht man einfach ein paar Häuser oder Straßen weiter und schaut nach etwas anderem. Neuer Ort, neues Glück, eine Insel im Süden, diverse Strandbungalows werden schon am Bootsanleger angepriesen, bloß nicht zu lange auf ein Plakat schauen, sonst sitzt man schneller in einem zu teuren Bungalow, als man gucken kann. Beachfront bekommt man ohnehin nur sehr selten. Daher unbedingt nette, aber bestimmte Absagen verteilen und trotz des wunderschönen Zimmers noch weitersuchen wollen. Daher empfehlen wir auch in Thailand, vorher informieren und wenigsten ein paar schöne Unterkünfte heraussuchen, oder von uns heraussuchen lassen, die man dann gezielt ansteuern kann. Und wenn es wirklich unbedingt der Bungalow direkt am Wasser sein soll, vorher buchen und ein bisschen der Flexibilität aufgeben. In drei Woche Urlaub kann man es sich ohnehin nicht leisten, viel zu rastlos zu sein.

In Vietnam ist das planlose Drauflos mit Vorsicht zu genießen, denn aufgrund der Vorstellung, wohlhabendere Touristen anzulocken, findet man die Budget Rooms oder Bungalows eher selten, was nicht heißen soll, dass es sie nicht gibt, aber mit dem Rucksack die Strandstraße in Hoi An oder den Strand in Long Beach entlang zu wandern, wird schnell zeigen, dass man sich in Vietnam auf Ausdauer und gute Schuhe verlassen muss. Was in Thailand zu einer Unterkunft führt, die man zwar nicht schön findet, aber bezahlbar ist, führt in Vietnam dazu, dass man eine schöne Unterkunft findet, die das Budget sprengt, alternativ bleibt man obdachlos, bis man ein Internetcafe/WIFI Spot oder andere Backpacker gefunden hat.

Sich auf deren Tipps oder Ratschläge zu verlassen, kann aber ebenso ins leere führen, wer weiß schon vorher, was einem Fremde empfehlen, ohne dass man ihnen genau erzählt hat, was man eigentlich sucht und wie man den Urlaub gerne verbringt. Daher sollte man die Unterkunftssuche in Vietnam besser vorbereiten, als in Thailand. Das muss nicht von zu Hause aus geschehen, sondern es geht auch vor Ort. Eine kurze Nachricht an uns oder Alternativ stundenlang online selber suchen, bis man was nettes gefunden hat.

 

Die Sprache:

Vietnamesisch, sowie Thai ist sehr schwer zu erlernen, lebt von der Aussprache und ist ein großes Hindernis bei der Kommunikation mit Einheimischen. Der Vorteil des Vietnamesischen ist, dass man die Schriftzeichen lesen kann, die Aussprache ist jedoch häufig völlig anders, bringt uns nun also auch nicht viel weiter. Ein einfaches Bitte, Danke, Hallo und Tschüss sollte man aber doch lernen können, um einigermaßen respektvoll zu erscheinen. Englisch ist in Thailand weiter verbreitet, als in Vietnam, die Kommunikation ist in Vietnam also schon etwas schwieriger, aber niemals unmöglich. Die Sprachbarriere ist in beiden Ländern kein Hindernis.

 

Thema Sicherheit:

Thailand ist nun leider häufiger in der Vergangenheit in die Schlagzeilen geraten, Militärputsch, Anschläge, Überfälle. Doch ist das ein Grund, Thailand den Rücken zu kehren? Ich denke nein, denn wir fahren auch in Deutschland weiterhin mit der Regionalbahn und gehen auf Stadtfeste, legen uns in Frankreich an den Strand, fahren in Madrid mit der U-Bahn und in London mit dem Doppeldeckerbus. Thailand ist nicht unsicherer als Europa. Im Gegenteil, Thailand ist sehr sicher, was die übliche Kriminalität angeht, in Vietnam ist es nicht anders. Wer allerdings Einladungen verteilt, der muss sich nicht wundern, auch Thais, Vietnamesen und vor allem andere Urlauber werden schon einmal schwach.

 

Unser Fazit:

Wer begrenzte Mittel, aber doch gewisse Anforderungen an seine Unterkunft hat und nur 2 – 4 Wochen unterwegs ist, dabei viel sehen und erleben möchte, dazu aber doch die Freiheit und Spontanität eines Backpacking Trips erleben möchte, der sollte sich gut vorbereiten und zumindest wissen, welches Viertel bei Backpackern bevorzugt wird, wo etwas los ist und wo man seinen Vorlieben wie schnorcheln, tauchen oder feiern nachkommen kann. Mit begrenztem Budget aber höheren Ansprüchen an die Unterkünfte sollte man ebenfalls vorab planen, welche Hostels oder Bungalowanlagen man überhaupt nur ansteuern sollte, um nicht zuviel Urlaubszeit zu verlieren. Das gilt für beide Länder, für das Einsteigerparadies Thailand, sowie für Vietnam, das seit einer Weile immer beliebter wird. Die Entscheidung, in welches der beiden Länder ihr nun Reisen solltet, können und wollen wir euch nicht abnehmen, sicherlich ist es in Thailand für absolute Einsteiger einfacher, sich zurecht zu finden, doch auch für Anfänger ist Vietnam nun kein Ding der Unmöglichkeit, es ist einfach etwas weniger auf umherreisende Backpacker eingestellt. Doch auch dort findet man für alles ein Angebot, für alles eine Lösung. Wer jedoch schon in Hamburg oder London überfordert ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B zu kommen, dem würden wir dazu raten, nach Thailand zu fliegen, um sich langsam an diese Art des Reisens zu gewöhnen. Allen anderen können wir beide Länder als Reiseziel empfehlen, denn eigentlich sucht man doch nur eines, Erholung, fremde Kulturen, eine Prise Abenteuer, gutes Essen, nette Leute und eine gute Zeit! All das bieten Thailand und Vietnam!

 

Egal wie ihr euch entscheidet, wir würden uns freuen, euch bei eurer Planung zu unterstützen.

All jenen, die uns nicht brauchen, wünschen wir einen traumhaft schönen Urlaub.

Über einen Gästebucheintrag würden wir uns von euch allen freuen!

 

Tina & Jens