Hoi An, das schönste Dorf und Hue, die Kaiserstadt

Reisetag 4 - 8

Der Flug nach Danang dauerte nur eine knappe Stunde, da wir einen sehr frühen Flug genommen haben, hatten wir in Danang angekommen noch fast den ganzen Tag vor uns. Mit dem Taxi fuhren wir nach Hoian und ließen uns an der Strandstraße absetzen, um uns eine Unterkunft zu suchen. Aufgrund der Hitze und der Entfernungen dort gaben wir die Suche zu Fuß jedoch recht schnell auf, da wir überhaupt keine Zeit gehabt hatten, uns ein wenig über den Ort zu informieren. Wir setzten uns in ein kleines Straßencafé, tranken ein Bier und suchten online, dank des überall verfügbaren WLANs, nach schönen und vor allem preiswerten Unterkünften. Unsere Wahl fiel dann auf die Riverside Garden Villas, eine sehr schöne Appartementanlage an einem Seitenarm des Song Thu Bon gelegen. Von dort aus konnten wir fußläufig den Strand und ein kleines Geschäftszentrum erreichen, um in den Stadtkern von Hoian zu kommen nutzen wir am ersten Tag ein Taxi, später dann einen geliehenen Motorroller. Unser Appartement war groß und gemütlich, sehr schön eingerichtet und dennoch relativ preiswert, was vermutlich an der Vorsaison lag. Außer uns befand sich nur ein weiterer Gast in der Anlage. Dementsprechend gut wurden wir versorgt und behandelt, jeder Wunsch wurde sofort erfüllt, das Frühstück unter Palmen, direkt am Fluss war ein Traum, frische Früchte, dazu eine Mischung aus vietnamesischen Spezialitäten und aus Frankreich altbekanntem. Die Fahrräder standen uns ebenfalls kostenfrei zur Verfügung, wir entschieden uns jedoch schnell dazu, am nächsten Tag einen Roller zu mieten. Am Abend fuhren wir mit dem Taxi in das Zentrum Hoians. Auf dem Weg dorthin erlebten wir einen kurzen Schreckmoment, mitten auf der Straße stand ein Wasserbüffel, der, wie  wir auch, dem Tod ins Auge blickte. Leider waren wir unangeschnallt, was nicht an unserem Leichtsinn, sondern einfach an der fehlenden Möglichkeit dazu lag. Hupend kamen wir zum Stehen, knapp vor dem Tier, relativ entspannt trennten sich unsere Wege dann wieder. An unserem Ziel waren wir überwältigt. Ein Dorf mit wunderschönen alten, kleinen Häusern, darin sehr viele Geschäfte und Bars. Ein Baustil, der uns aus Asien bisher völlig unbekannt war und eine Altstadt frei von dem üblichen Motorradverkehr. Dazu war alles sehr schön beleuchtet. Den Abend über zogen wir durch Bars am und auf dem Wasser, aßen viel an Garküchen und schauten uns die typischen Marktstände mit Souvenirs für Touristen an. Natürlich kauften wir etwas, wahrscheinlich überteuert, leben und leben lassen. Für Tina gab es an dem Abend auch ein paar neue Flip Flops, die wirklich schön und gut waren. Für den Rückweg suchten wir uns wieder ein Taxi. Diesmal kamen wir ohne Zwischenfälle ans Ziel. Am nächsten Morgen entschieden wir uns dazu, eine kleine Erkundungstour durch Hoian und Umgebung zu machen. Den Motorroller dazu bekamen wir von einem Bauarbeiter, der im Nachbarhaus tätig war, da die Rollervermietung gegenüber unbesetzt war. Für 2 Eur verlieh er seine Existenzgrundlage, die einzige Bedingung war, dass wir bis zu seinem Feierabend um 22 Uhr zurück sein sollten. Wir fuhren zu mehreren Strandabschnitten, bis wir ein kleines Homestay gefunden hatten, wo wir uns direkt mit ein paar Springrolls und zwei kalten Bier vorsorgen ließen. Da man nach offiziellen Angaben dort ohnehin nicht mit dem deutschen Führerschein fahren darf, sollte ein Bier die Sache im Falle einer Kontrolle nun ohnehin nicht mehr schlimmer machen, ein kleines Trinkgeld wäre ohnehin fällig gewesen. An die Fahrweise der Vietnamesen gewöhnt man sich sehr schnell, für schöne Entdeckungstouren kann man auf diese Freiheit wirklich nicht verzichten. Zum Glück hatten wir uns entschieden, zuerst zum Strand und dann in das Stadtzentrum zu fahren, andersherum hätten wir die zur Mittagszeit für den Verkehr freigegebene Fußgängerzone wahrscheinlich befahren und wären dann abgeschleppt worden, da die Roller aus dieser Zone nach der Sperrung von städtischen Mitarbeitern entfernt werden. Am Abend fuhren wir dann zurück, brachten dem Bauarbeiter den vollgetankten Motorroller zurück und freuten uns darüber, dass er sich so sehr freute. Karma, kommt vielleicht irgendwann zurück. Zu Fuß brachen wir dann nochmal auf, um in einem kleinen Restaurant am Fluss essen zu gehen, vorher wurden aber noch neue Kleider im Laden einer jungen Vietnamesin geshoppt. Während Tina die verschiedenen Kleider in die Kabine gereicht wurden, die eigentlich die Küche der kleinen Familie war, sah ich den 3 Ratten zu, die durch den Laden tobten. Nach dem wirklich guten Essen im Restaurant nebenan verbrachten wir den Rest des Abends mit Dosenbier auf unserem Balkon.

 

Am nächsten Morgen brachen wir wieder mit dem Roller des Bauarbeiters, der direkt zu uns kam, als er uns sah, zum Strand und in die Stadt auf, bummelten durch die Gassen, tranken und aßen, wo es uns gefiel und buchten einen Tagesausflug nach Hue, in die alte Kaiserstadt. Der Preis war irgendwann dank unserer Verhandlung für uns in Ordnung, am nächsten Morgen wurden wir dann pünktlich um 8 Uhr von einem Privatfahrer mit PKW abgeholt. Dass er nur für uns zuständig war freute uns zwar sehr, ließ dann aber unsere harte Verhandlung etwas unfair erscheinen, denn für eine Privattour schien uns der Preis selbst für Vietnam etwas gering zu sein.

 

Unser Fahrer fragte uns kurz nach der Abfahrt, ob wir die schnelle, oder die schöne Route nehmen wollten, da wir im Urlaub natürlich immer Zeit haben, entschieden wir uns für die schöne Route. Womit wir natürlich mitten in einer Kaffeefahrt waren. Das merkten wir recht schnell, erster ungeplanter Stopp waren die Marble Mountains. Genauer gesagt, ein Laden, in dem allerlei schönes und auch weniger schönes aus Marmor verkauft wurde. Selbstredend aus eigener Herstellung. Nach wenigen Minuten geheucheltem Interesse verließen wir den Laden und schauten uns die Tempelanlage an, die an den Berg gebaut wurde, noch spielte das Wetter mit. Eine Mischung aus kleinen Tempeln, Statuen, Wasserläufen und Gärten ließ uns entspannen, eine traumhaft schöne Oase der Ruhe. Nach etwa einer Stunde ging unsere Fahrt weiter in Richtung Wolkenpass (Hai-Van-Pass). Mehrfach stoppten wir, um an immer schöner werdenden Aussichtspunkten Fotos zu machen. Am Pass angekommen ließ uns unser Fahrer Zeit, um die historische Grenzstätte zu betrachten, die schon  vor Hunderten von Jahren die Königreiche Champa und Dai Viet trennte. Heute sind dort noch die Ruinen französischer und amerikanischer Bunkeranlagen zu betrachten. Der 496 m hohe Pass stellt aber auch natürliche Wetterscheide dar, so dass es häufig nebelig oder regnerisch ist. So geschah es auch uns, der Rest des Ausflugs fand im Regen statt. Die Suche nach unserem Fahrer gestaltete sich schwierig, da dieser Aussichtspunkt ein absoluter Touristenmagnet ist, findet man dort auch eine ganze Menge kleiner Buden, Garküchen und Geschäfte, die in selbstgebauten Pavillons untergebracht waren. Nachdem wir jedes der kleinen Geschäfte durchsucht hatten, fanden wir unseren Fahrer natürlich in dem letzten Laden. Wir tranken mit ihm einen vietnamesischen Kaffee, innerhalb von Sekunden wurde der Tisch mit Schmuck ausgelegt, uns wurden Ketten umgelegt und Armreifen angesteckt. Unser höfliches Abweisen wurde ignoriert, als wir nach 10 Minuten nicht zum Kauf bereit waren, wurden wir gebeten, den Kaffee zu bezahlen und den Sitzplatz freizugeben.

 

Die Fahrt ging also weiter, stoppte jedoch nach kurzer Fahrt wieder, da die Schranken an einem Bahnübergang geschlossen waren. Um uns den Reunion Express aus der Nähe anzusehen, stiegen wir aus. Leider wurden wir dann von einem jungen Mann angesprochen, der uns erklärte, er würde ausländische Münzen sammeln. In Tinas Handtasche befinden sich natürlich immer diverse Münzen, so wechselte ein Euro den Besitzer. Plötzlich umringte uns jedoch eine ganze Schar junger Vietnamesen, die alle unsere Münzen haben wollten, beschwerten sich dann über die 50 Cent Stücke. So hatten wir wieder etwas gelernt, nicht nur in Thailand gibt es Touristenfallen. 5 Euro ärmer, aber eine Geschichte reicher. Den Zug haben wir dadurch leider verpasst.

Nach etwa 90 Minuten Fahrt kamen wir dann in Hue an, leider mussten wir den Eintritt doch selber zahlen, er war nicht, wie versprochen, im Preis enthalten. So langsam erschloss sich uns, dass unser Preis doch gar nicht so gut war, wie zuerst gedacht. Da es durchgehend regnete, aber zum Glück nicht kalt war, schlenderten wir durch die weitläufigen Anlagen der alten Kaiserstadt, eine Mischung aus Ruinen und wieder aufgebauten Gebäuden, Gärten und kleinen Tempeln. Das graue, regnerische Wetter passte wunderbar in die ruhige und etwas mystische Stimmung. Da der Regen leider immer stärker wurde, beendeten wir den Ausflug nach etwa 2 Stunden und ließen auch den Ausflug zur Thien Mu Pagode aus. Für die Rückfahrt nach Hoian wählten wir dann auch den schnellen Weg durch den neu gebauten Hai-Van-Tunnel, der die Rückfahrt um gute 30 Minuten verkürzte.

Den Abend verbrachten wir damit, spontan einen Flug für den nächsten Tag zu buchen, da das Wetter in den nächsten Tage noch schlechter werden sollte. Ein letztes Abendessen und ein paar letzte Bier im Lokal in der Nähe, damit endete unser Aufenthalt in einem der schönsten Orte in Vietnam.

 

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Fahrer vom Vortag zum Flughafen, da er uns angeboten hatte, uns günstig dorthin zu bringen. Pünktlich stand er vor unserer Unterkunft, die Fahrt zum Flughafen in Danang verlief dann sogar ohne unerwartete Zwischenstopps.