Phu Quoc

Reisetag 12 - 18

Durch Zufall kamen wir darauf, dieses kleine, ursprüngliche Paradies in unseren Reiseplan aufzunehmen… und wir bereuten es nicht! Von Saigon aus flogen wir wieder einmal mit Vietjet Air, da der Flug nicht nur wesentlich schneller war, sondern auch nur unwesentlich teurer, als die Tour mit Bus und Boot.

Ankunft auf der Insel: Nach dem obligatorischen „vietnamese iced coffee“ am Flughafen nahmen wir ein Taxi, um zum Long Beach zu fahren. Natürlich mussten wir die Flughafengebühren des Taxis zahlen. Um nicht wieder ewig umherzulaufen, hatten wir uns bereits in Saigon über booking.com eine schöne Unterkunft direkt am Strand gemietet, schließlich wollten wir die 6 Tage am Meer nicht nur irgendwie, sondern möglichst perfekt zum kleinen Preis verbringen. Deshalb stiegen wir im Viet Than Resort ab, welches den Beinamen Resort nun wirklich nicht verdient hatte. Aber genau das suchten wir, einen einfachen, mit Stroh gedeckten Bungalow direkt am Strand.

Außer einem Bett und einem Kühlschrank hatte dieser Bungalow zwar nichts zu bieten, aber das war alles, was wir brauchten – denn die kleine Terrasse war direkt am Strand, mit Hängematte und 2 Liegestühlen. 5 Sterne auf unserer Skala!

Ein kleines Highlight war die kleine Beachbar direkt in Schrittweite, auch den Strand entlang fanden sich immer wieder kleine Bars und Restaurants. So konnten wir ganz entspannt darauf vertrauen, den Tag über mit kalten Drinks und kleinen Snacks versorgt zu sein. Am Abend dann zeigte sich erst Recht, wie gut wir es dort getroffen hatten. Seafood BBQ unter kleinen Laternen, die Tische direkt im Sand, das Meeresrauschen nur einen Meter entfernt und dazu perfekt Gegrilltes, was am Mittag von kleinen Fischerbooten angeliefert wurde. So ließen wir den ersten Abend an diesem wunderbaren Ort mit Ba Ba Ba (333) und einer leckeren Seafoodplatte ausklingen.

Am nächsten morgen sprangen wir nach dem Aufstehen direkt ins Meer und nahmen uns auf dem Rückweg einen Iced Coffe mit auf unsere kleine Terrasse – kann ein Morgen schöner beginnen? Nach anschließendem, ausgiebigem Frühstück in besagter Beachbar mieteten wir uns für die restlichen Tage einen Roller an der Rezeption, einen der üblichen 125 cm³ Automatikscooter, um die Insel zu erkunden. Damit stürzten wir uns dann in den asiatischen Verkehr, zum 2. Mal in diesem Urlaub und auch zum 2. Mal überhaupt. Ich muss sagen, es klappte überraschend, wenn man es schafft, die überkorrekte deutsche Fahrweise zu vergessen, was bedeutet, quer durch den Gegenverkehr abzubiegen und zu hupen, anstatt zu bremsen. Gebremst wird hier ohnehin kaum, viel mehr sucht man nach alternativen Wegen, um nicht anhalten zu müssen. Unsere diversen Touren führten uns über den Markt des Hauptortes der Insel, zu einem Wasserfall ganz in der Nähe, an einen wunderschönen Strand im Südosten der Insel, der sich leider nach kurzer Zeit als Sandfliegenhölle entpuppte. Der Hinweg war sehr beschwerlich, da wir die Straße entlang der Küste befuhren. Leider eine von LKW zerstörte Mudroad, die der Oberfläche eines Golfballs ähnelte. Um die Rückfahrt etwas angenehmer zu gestalten, nutzten wir dann die Hauptstraße der Insel, die sich jedoch schnell als einzige Baustelle entpuppte. Den Vietnamesen störten die Straßensperren jedoch wenig, so bahnten wir uns ebenfalls unseren Weg zwischen Planierraupen, Baggern und LKW hindurch, um endlich wieder zu unserem geliebten Bungalow zu kommen.

Ein Schreckmoment war dann der Polizist am Straßenrand, der uns sah und von seiner Liegeposition auf seinem Motorrad aufstand. Es schien, als wolle er sich sein Mittagessen verdienen, denn Touristen ist das Fahren ohne vietnamesischen Führerschein nicht erlaubt. Im Falle eines Unfalls sind sogar Haftstrafen möglich. Daher kann das Fahren ohne Führerschein teuer werden.

Darauf möchte ich an dieser Stelle hinweisen, wie ihr mit dieser Empfehlung umgeht, überlasse ich euch. Das tragen eines Mundschutzes ist z.B. hilfreich, nicht sofort als Tourist aus der Masse herauszustechen. Wie dem auch sei, wir wurden nicht angehalten und konnten das eingeplante Bestechungsgeld nun anderweitig verplanen. 

In den nächsten Tagen entdeckten wir den Norden der Insel, aßen in einem kleinen Café in einem Dorf an der Nordspitze und wollten auf dem Rückweg an einen einsamen Strand an der Nordwestküste, von dem in einem Reiseblog die Rede war. Der Weg dorthin führte erneut durch eine Straßenbaustelle, diese hätte uns schon schlimmes erahnen lassen müssen. Wir fuhren dennoch weiter, etwa 45 Minuten durch den Dschungel, aus dem unglaublicher Lärm diverser, uns unbekannter Tiere drang. Dabei wehte uns die heiße, schwüle Luft um die Nasen. Die Straße, die mehr schlecht als recht zu befahren war, bestand nun auf einmal aus Betonplatten, wie wir sie bisher nur aus osteuropäischem Straßenbau kannten. Plötzlich befanden wir uns inmitten eines kleinen Dorfes, Kinder strömten plötzlich auf die Straßen und rannten lachend mit uns mit. Hier kamen wohl eher selten Touristen durch, denn solche Bilder kannten wir bisher nur von Filmen der diversen Hilfsorganisationen oder Reisenden in Afrika.

Kurz bevor wir das Dorf hinter uns ließen, sahen wir das Meer vor uns auftauchen, die Straße verwandelte sich wieder in den uns bereits bekannten lehmigen und schlecht zu befahrenen Untergrund. Was dann jedoch vor uns auftauchte, war keine Einsamkeit und kein Traumstrand. Die Straße war gesäumt von einfachsten Wellblechhütten, in denen unzählige Kinder und Frauen hausten. Die Straße wurde immer schlechter, zudem teilten wir die Straße nun mit einer immer größer werdenden Zahl von LKW. Die Dünen auf der vom Strand abgewandten Seite wurden abtransportiert, dann tauchten auch erste, riesige Rohbauten auf. Hier wurde also gebaut. Enttäuscht versuchten wir, die Baustelle zu passieren, mit uns 2 weitere Touristenpaare auf ihren Rollern. Die Mission scheiterte jedoch, nacheinander blieben wir im immer tiefer werdenden Schlamm stecken, nun drohte uns ein etwa 2 Stündiger Umweg, nämlich den gesamten Weg zurück. Zum Glück durften wir quer über das Baustellengelände fahren und kamen so wieder recht schnell auf die Hauptstraße etwas nördlich von Long Beach. Heute, Mitte 2017, sieht man auf Satellitenbildern bereits fertig gestellte Anlagen, die das zahlungskräftige Klientel aus Russland anlocken sollen. Zum Zeitpunkt unserer Reise schien dies jedoch eine Fehlplanung gewesen zu sein, der Absturz des Rubel erwischte viele russische Urlauber hart.

Am Abend machten wir uns mit dem Roller auf in Richtung Nachtmarkt, aus hunderten von Aquarien suchten wir uns unser Abendessen zusammen und schlenderten anschließend noch an diversen Ständen mit Kitsch und Ramsch vorbei, kauften dennoch einige Kleinigkeiten. Auf dem Rückweg sahen wir durch Zufall unsere Nachbarn, ein ebenfalls jüngeres Pärchen aus Deutschland, am Straßenrand in einer Bar sitzen, wir hielten natürlich an, tranken etwas und verabredeten uns für 23.00 Uhr, da die Bar jeden Abend in einen von einem Deutschen betrieben Elektroclub umfunktioniert wurde. Den Roller brachten wir weg und liefen den Strand entlang, um dann durch eine Hotelanlage wieder zur Straße zu kommen. Der Plan war zwar gut, jedoch pochen die Vietnamesen auf das Verbot für Fremde, diese Anlagen zu betreten. Wir fanden dennoch einen Weg, indem wir die uns oft entgegengebrachte Art einiger Asiaten aneigneten. Wer nichts verstehen will, der versteht auch nichts, lächelt dabei und darf dann einfach alles. Funktioniert gut, absolute Empfehlung. Die lange Nacht im Club hinterließ ihre Spuren, zu lange geschlafen und den Mittag im Liegestuhl verbracht neigte sich der letzte Tag dem Ende entgegen, wir wurden aber mit dem wirklich perfekten Sonnenuntergang belohnt, es schien ein traumhafter Abschied von der Insel zu werden. 

Doch dem war leider nicht so, an diesem Abend wurden wir böse überrascht. Ein Stromausfall ließ leider nicht zu, in der Nähe unserer Unterkunft Geld am Automaten abzuheben, so fuhren wir mit unseren letzten 1.000.000 Dong zum Nachtmarkt, um frische Wasserschlange, Garnelen und sonstige Meeresbewohner zu essen. Dazu ein paar Bier, so der Plan. Nach der Bestellung bekam ich doch etwas Angst, dass unser Geld nicht reichen wird und machte mich auf zu den vielen ATM Häuschen am Eingang des Marktes.

Einen nach dem anderen probierte ich durch, da nur selten direkt der erste funktionierte, machte ich mir keine Sorgen. Da aber keiner der Automaten Geld ausspuckte, ging ich mit einem beklemmenden Gefühl zurück. Die Rechnung, 1.020.000 Dong konnten zum Glück runterhandeln. Auf dem Heimweg hielten wir an jedem Automaten, ohne Erfolg, auch am nächsten Morgen waren wir noch Pleite, da unsere zweite Kreditkarte keine PIN hatte, um Bargeld abzuheben. Die Fahrt zum Flughafen schien auszufallen, doch zum Glück fand sich in einer unserer Taschen noch ein 50 Euro Schein, den wir an der Rezeption wechseln konnten. Die Tour zum Flughafen war also gesichert. Sparsam wollten wir sein, um die kommenden letzten Tage in Saigon zu überstehen, es war nun also der Erste morgen in diesem Land, an dem ich ohne Iced Coffee auskommen musste…